Alzheimer: Kundengeschichte aus der Praxis

Wenn Angehörige Anzeichen von Alzheimer/Demenz zeigen, ist das für die Familie in den meisten Fällen eine herausfordernde Situation. Der schleichende Verlauf macht es anspruchsvoll, im jeweiligen Stadium die richtigen Entscheidungen zu fällen. Es ist für die Angehörigen auch ein schmerzhafter Prozess mitzuerleben wie ein Familienmitglied zunehmend vergisst und in anderen Realitäten lebt.

 

Am Freitagnachmittag klingelt das Telefon in unserer Zentrale. Der Sohn eines an Alzheimer leidenden 87 jährigen Mannes ist am Apparat. Mit aufgeregter Stimme sagt er: „Sie müssen sofort kommen. Wir können unseren Vater nicht mehr alleine pflegen.“

Herr Holdener (Name geändert) wird bereits seit Monaten von seiner Familie, seinem Sohn, seiner Tochter und den Enkeln pflegerisch betreut. Aufgrund seiner nun weiter fortgeschrittenen Alzheimer Erkrankung hat er einen hohen Unterstützungsbedarf und muss nun eigentlich rund um die Uhr begleitet, betreut und gepflegt werden.

Zu Beginn der Krankheit genügte es wenn mehrmals pro Woche jemand nach dem rechten schaute und man Herr Holdener an wichtige Termine erinnerte und bei Besorgungen und Arztbesuchen begleitete. Herr Holdener vergisst, was im Laufe des Tages zu tun ist und auch das Essen und Trinken vergisst er oft. Er erfindet dann Geschichten, wenn nachgefragt wird was er gekocht und gegessen hat. Er hat schon deutlich an Kilos verloren. Dafür wurde er kürzlich von der Polizei gefunden als er in der Nacht verzweifelt seine vor Jahren verstorbene Frau gesucht hat.   

Bitte kommen Sie sofort vorbei. Frau Stettler, seit mehr als 12 Jahren Geschäftsleiterin des Hauspflegeservice hört den Hilferuf und vereinbart einen Termin mit dem Sohn von Herr Holdener.

Bereits am nächsten Tag macht sich Frau Stettler also auf den Weg in die Ostschweiz. Herr Holdener wohnt dort in seinem Einfamilienhaus in einer kleineren Gemeinde.

Herr Holdener und sein Sohn schildern Frau Stettler die aktuelle Situation und zeigen ihr auch die Örtlichkeiten. Die Familie möchte unbedingt, dass Herr Holdener in seinem gewohnten zu Hause bleiben kann und ab sofort von kompetenten und erfahrenen Betreuerinnen betreut und gepflegt wird.

Herr Holdener verbringt seine Freizeit gerne mit Gartenarbeit. Bereits in jüngeren Jahren hat er mit seiner vor einigen Jahren verstorbenen Ehefrau einen grossen Garten angelegt. Nun liebt er es diesen Garten zu hegen und zu pflegen aber es fällt ihm auch bei dieser Tätigkeit zunehmen schwerer sich an die einzelnen Arbeitsschritte zu erinnern. Es ist klar, dass die zukünftigen Betreuerinnen von Herr Holdener dieses schöne Hobby mit ihm teilen müssen.

Frau Stettler kann an diesem Freitagnachmittag in Ruhe mit der Familie und Herr Holdener selber die nächsten Schritte planen. Sie erfährt in den Gesprächen viele Details über den aktuellen Gesundheitsstand sowie die verbliebenen Fähigkeiten von Herr Holdener.

Die Betreuerinnen des Hauspflegeservice sollen Herr Holdener bei allen Tätigkeiten des täglichen Lebens unterstützen. Sie helfen ihm morgens beim Anziehen und bei der Körperpflege, begleiten ihn zum Einkaufen, unterstützen ihn im Alltag (Heben, Tragen, Treppe steigen, Schreiben, Schneiden, Essen und Trinken), fahren mit ihn zu Arztterminen, halten den Haushalt in Ordnung, sorgen für einen Tagesablauf wie ihn Herr Holdener früher gekannt hat und geben ihm damit Sicherheit. Sie kochen und sind auch sonst eine wichtige Bezugsperson für ihn.

Bereits auf der Rückfahrt ins Büro überlegt sich Frau Stettler welche Betreuerinnen am besten zu Herr Holdener und der Kundenfamilie passen würden.

Bei der Planung der Dienstleistungen des Hauspflegeservice erarbeiten wir die optimalste Betreuungs- und/oder Pflegelösung. «Familienberatung» koordiniert auch Leistungen anderer Pflegepersonen oder Pflegeunternehmen. Gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Familie planen wir die passendste Betreuung und Pflege.

Nachdem Frau Stettler auch noch mit dem behandelnden Arzt Kontakt aufgenommen hat und die aktuelle Sicht aus seiner Warte erfahren hat geht es an die Detailplanung.

Mit der Familie sind sechs bis acht Stunden täglich als Betreuungszeit vereinbart. Dank der grosszügigen Umgebung im Familiensitz kann die Betreuerin, wir nennen sie Seniopair®, vor Ort wohnen und dort auch ihre Freizeit verbringen. Bei Bedarf wäre so auch eine Rundum-Betreuung möglich.

Bereits zwei Tage später reist die Betreuerin, „Laura“ an den Wohnort von Herr Holdener. Die Seniopair® wird von Frau Stettler gründlich instruiert und mit Herrn Holdener sowie der Kundenfamilie bekannt gemacht. Laura wird nun zwei Wochen mit Herr Holdener in seinem geliebten zu Hause, also der gewohnten Umgebung wohnen und ihn betreuen.

Seniopair® Laura ist in den nächsten Tagen durch die Situation vor Ort stark gefordert. Herr Holdener ist oft traurig und die Abhängigkeit von einer anderen Person belastet ihn sehr. Er kann seine Fähigkeiten leider nicht mehr richtig einschätzen, hat oft die Idee, dass er sein Leben ganz gut alleine meistern kann und reagiert oft ungehalten, wenn Laura ihm helfen will. Doch man will den Alltag so harmonisch wie möglich gestalten. Da helfen nur häufige und offene Gespräche mit der Kundenfamilie über die Art und Wiese der Unterstützung. Wir haben vereinbart, dass wir in jeder einzelnen Phase der Krankheit neu bestimmen, in welchen Situationen Laura helfen soll und wann er lieber selbstständig agieren möchte.

„Das Schlimmste an der Krankheit ist der schrittweise Verlust von kognitiven Fähigkeiten, die sich im Vergessen von allem Möglichem zeigen und nicht immer dieselben sind. Auch körperliche Fähigkeiten wie Feinmotorik, Bewegung, Sprache, usw.“

Seniopair® Laura; Ich akzeptiere seine Wünsche und versuche, seine Bedürfnisse so gut wie möglich zu erfüllen!

Eine Familienbetreuung ist besonders zu empfehlen weil:

die ganze Familie in die Betreuungs- und Pflegelösung miteingebunden wird

die gesamte Pflegesituation umfassend und ganzheitlich geprüft wird

Die Bedürfnisse der gepflegten und betreuten Personen noch besser erfüllt werden

den Bedürfnissen der Familienangehörigen Rechnung getragen wird

Die 10 Grundsätze der Validation im Umgang mit an Demenz Erkrankten:

  1. Alle Menschen sind einzigartig und müssen als Individuen behandelt werden.
  2. Alle Menschen sind wertvoll, ganz gleichgültig in welchem Ausmass sie verwirrt sind.
  3. Es gibt einen Grund für das Verhalten von verwirrten, sehr alten Menschen.
  4. Verhalten im sehr hohen Alter ist nicht nur eine Folge anatomischer Veränderungen des Gehirns, sondern das Ergebnis einer Kombination von körperlichen, sozialen und psychischen Veränderungen, die im Laufe eines Lebens stattgefunden haben.
  5. Sehr alte Menschen kann man nicht dazu zwingen, ihr Verhalten zu ändern. Ein Mensch ändert sein Verhalten nur, wenn er es will.
  6. Sehr alte Menschen muss man akzeptieren, ohne sie zu beurteilen.
  7. Zu jedem Lebensabschnitt gehören bestimmte Aufgaben. Wenn man diese Aufgaben nicht im jeweiligen Lebensabschnitt schafft, kann das zu psychischen Problemen führen.
  8. Wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt, versuchen ältere Erwachsene ihr Leben wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, indem sie auf frühere Erinnerungen zurückgreifen. Wenn die Sehstärke nachlässt, sehen sie mit dem „inneren Auge". Wenn ihr Gehör immer mehr nachlässt, hören sie Klänge aus der Vergangenheit.
  9. Schmerzliche Gefühle, die ausgedrückt, anerkannt und von einer vertrauten Pflegeperson validiert werden, werden schwächer. Schmerzliche Gefühle, die man ignoriert und unterdrückt, werden stärker.
  10. Einfühlung/Mitgefühl führt zu Vertrauen, verringert Angstzustände und stellt die Würde wieder her.

Die Kompetenz und Erfahrung in Alzheimerbetreuung dankt unsere Kundschaft mit einer hohen Zufriedenheit. Nach der fundierten Abklärung durch die Family Nurse, bieten wir mit unseren, in Demenzbetreuung geschulten, die situativ angepasste Betreuung und Pflege.

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margarete stettler

Margaretha Stettler, Geschäftsführerin

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